Wenn Klebeband zur Kunst wird

Klebeband-Kunst von Evi Kupfer
Bild: © Evi Kupfer

Ein Trägermaterial versehen mit einem Klebstoff – das «schlichte» Selbstklebeband ist aus der Verpackungsbranche nicht wegzudenken. Sicher und zuverlässig verschließt es Tag für Tag Pakete. Dabei kommt es längst nicht mehr nur im Versand oder der Industrie zum Einsatz: Klebeband erobert inzwischen die Kunstwelt.

Bunte Graffitis dominieren das Bild, das viele von Kunst im öffentlichen Raum haben. Das könnte sich aber ändern, denn statt zur Spraydose greifen immer mehr Street Art Künstler zum Klebeband. Entstanden ist diese Form der Urban Art schon in den 60er Jahren, fristete aber über eine lange Zeit ein Nischendasein. Mittlerweile zieht Tape Art immer mehr Menschen in ihren Bann. Seit gut zehn Jahren etablieren sich Schaffende in der Kunstszene – von Berlin, über New York bis Melbourne. So gilt die Kunst mit dem Klebeband mittlerweile als «das neue Graffiti» im öffentlichen Raum. Und das, im Gegensatz zu den Sprühfarben, ohne ihn zu beschädigen, da es leicht wieder entfernt werden kann.

Ein Material – 1000 Kunstwerke

Was simpel klingen mag, stellt die Künstler vor ganz eigene Herausforderungen. So sind sie beschränkt, was das Material in Farben und Maßen betrifft. Einzig mit Sicherheitsmessern oder Skalpellen bearbeiten sie das Band. Umso faszinierender ist die Vielfalt an Kunstwerken, die dabei entsteht: ob auf Holz, Glas oder Metall, auf einer Leinwand, einer Fassade oder einem Möbelstück. Die Werke spielen mit geometrischen Formen, Räumen und Medien.

Klebeband-Kunst von Slava Ostap und Buff Diss
v.l.n.r © Slava Ostap, © Buff Diss, © Slava Ostap

Einer der Pioniere der Klebebandkunst macht es vor: Der Australier Buff Diss zeigt in seinen Werken, wie Kunst in Form des Packbands mit Architektur spielen kann, sie unterbrechen und auf unerwartete Weise den öffentlichen Raum verwandeln kann. Er begann seine künstlerischen Werdegang mit Graffitis und entdeckte 2005 – wie so viele nach ihm – das Klebeband als Ausdrucksform für sich. Andere Künstler formen mit den Bändern ganze Skulpturen, arbeiten mit beklebten und beleuchteten Glasscheiben oder schaffen auf Leinwänden Bilder. Beim Tape Mapping verbinden sie das Verpackungsmaterial mit Projektionen und lassen so mit Hilfe visueller Effekte Kunstwerke entstehen.

Klebeband-Kunst von Jay Walker, Max Zorn & Slava Ostap
v.l.n.r © Jay Walker, © Max Zorn, © Slava Ostap

Ausstellungswürdiges Klebeband

Immer mehr wird Tape Art daher in der Öffentlichkeit wahrgenommen, in Ausstellungen gezeigt und auch von Firmen für sich entdeckt. In Deutschland sorgte etwa der Künstler El Bocho für Aufsehen, als er 2009 ein leerstehendes Schwimmbad im Berliner Stadtteil Wedding beklebte und damit das damals größte Tape-Art-Bild der Welt schuf. Auch Unternehmen wie Audi oder Maserati sind von dieser Kunstart angetan und engagierten für Events das Kollektiv «Tape That» aus Berlin. Auch die Deutsche Bahn ließ von den kreativen Klebern schon die Glasfassade des Berliner Hauptbahnhofes gestalten.

An mehr Aufmerksamkeit für ihr Schaffen arbeiten die Künstler beharrlich. Auch die Vernetzung untereinander spielt eine immer größere Rolle. Der letzte Meilenstein war dabei 2016 eine erste internationale Gruppenausstellung in Berlin, die Tape Art Convention.

Vier Wochen lang konnten Besucher Bilder, Skulpturen oder Installationen bewundern und diese Kunstrichtung für sich entdecken. Die nächste Ausstellung ist schon für 2017 geplant – um den Weg des Klebebands in die Museen dieser Welt weiter zu ebnen.

Sie interessieren sich für Tape Art?

  • Informationen zur nächsten Tape Art Convention finden Sie auf deren Website
  • Werke verschiedener Künstler stellt der Blog THE WORLD OF TAPE ART vor
  • Das Künstlerkollektiv «Klebebande» gibt in ihrem Buch «Tape Art» Einblicke in dieses kreative Schaffen und lädt mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Nachmachen ein.
  • Ob Künstler oder Verpacker – MEDEWO bietet Ihnen eine große Auswahl an Klebebändern.

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